Spurensuche in Wort und Text, Bild und Sprache
Das 2. Meldorfer Literaturtreiben vom 30. Oktober bis zum 14. November 2026 steht unter dem Motto „Heimat ist – was?
Das Meldorfer Literaturtreiben geht mit geschärftem Profil in die zweite Runde: „Heimat ist – was?“ lautet die Fragestellung an namhafte Autorinnen und Autoren wie die Buchpreisträgerin Kristine Bilkau oder den Meldorfer Filmemacher Lars Jessen. Auch das Publikum soll aktiver Teil dieser Spurensuche werden: In einer großen Postkarten-Aktion sind alle Interessierten aufgefordert, sich über Herkunft, Zugehörigkeit und Identität Gedanken zu machen.
Zwei Wochen lang wird Dithmarschens Kulturhauptstadt einmal mehr Zentrum sein für Literatur, aktive Lesekultur und demokratischen Dialog. Und das ausdrücklich nicht nur für Erwachsene. Das Programm umfasst wie schon 2024 auch zahlreiche Angebote für die Kitas und Schulen.
Dabei hat das vierköpfige ehrenamtliche Organisationsteam rund um die Ideengeberin und ehemalige Bürgermeisterin Anke Cornelius-Heide neben bewährten Veranstaltungen wie Lesungen und Schreibwerkstätten auch neue Formate vorbereitet: Interaktive Schulprojekte, Workshops, einen Ausflug in das bei jungen Lesern so boomende Genre des New Adult und eine prominent besetzte Matinee am Sonntagvormittag.
Gleich das lange Eröffnungswochenende bietet Hochkarätiges in dichter Abfolge: Samstagnachmittag wird das Landesmuseum quirliges Zentrum für Lesungen, Musik, Puppenspiel und Kino. Das Schleswig-Holsteinische Landestheater lässt es sich nicht nehmen, sich mit Programmauszügen zu beteiligen. Am Abend liest die Hamburger Autorin Kristine Bilkau aus ihrem preisgekrönten Roman Halbinsel und wird gleich am nächsten Morgen, bei einer Sonntagsmatinee in der Ditmarsia, über „Heimat – ein Ort, ein Gefühl, eine Sehnsucht“ diskutieren. Zu den Gesprächspartnern zählen der Autor und NDR-Redakteur Andreas Altenburg und die Illustratorin Judith Drews, die beide in Dithmarschen aufgewachsen sind, sowie die Heider Dolmetscherin und Kommunalpolitikerin Hülya Altun. Dabei sein wird zudem Lars Jessen, der am Abend dann im Meldorfer Kino sein neuestes Werk, die Literaturverfilmung Der Spaziergang nach Syrakus vorstellen wird. Charly Hübner spielt in dem Film nach den Motiven von F.C. Delius den tragikomischen Helden, der aus seinem Alltag zu Hause ausbricht und zu Fuß von Rostock nach Sizilien flieht, um dann am Ende freiwillig zurückzukehren.
Andere Blickwinkel und Perspektiven auf das Zentral-Thema Heimat bietet ein plattdeutscher Abend mit Geschichten, Gedichten und Liedern; unter den Akteuren sind Preisträger und Preisträgerinnen des plattdeutschen Literaturwettbewerbs „Vertell doch mal“.
Aktionskunst und Ausstellungen gehören ebenso zum Programm wie die Meldorfer Theatergruppe. Diese bereichert das Literaturtreiben unter anderem mit einer Uraufführung. Die letzte Runde aus der Feder von Katrin Stein und Susan Claussen, erzählt von Heimat, Wandel und dem Bedürfnis nach echten Begegnungen.
Von einer vielsprachigen Kindheit im Köln der 80er-Jahre erzählt Selim Özdogan, der eine türkisch-kurdische Familie in ein besetztes Haus begleitet (Ihr kriegt uns hier nicht raus). Der episodenhafte Heimat- und Generationenroman ganz eigener Art beschwört Bilder, Töne und Melodien herauf, die die Musikerin Dila Yavuz am Klavier zum Leben erweckt.
Augenzwinkern und viel Sprachwitz ist am Lyrik-Abend zum 100. Geburtstag des Helgoländers James Krüss zu erwarten. Sieben Dichter haben sich im vergangenen Jahr auf die Insel und dort auf die Spuren ihres Meisters begeben. Dabei sind allerlei Reimlichkeiten und ein Buch entstanden, das drei der Poeten – Mona Harry, Manfred Schlüter und Uwe-Michael Gutzschhahn – im Dithmarscher Landesmuseum vorstellen werden.
Um allerfeinste Wortkunst geht es auch beim kultverdächtigen Poetry Slam Deluxe, der einen mehrstimmigen Schlussakzent des zweiwöchigen Literaturfestivals setzen wird. Vielfalt und Vielstimmigkeit, Austausch, Besinnung und die Freude an den vielen Facetten, die Literatur ausmachen, werden dann zwei besondere Wochen lang Meldorf geprägt haben.