Herzberg’s Wort – Der Weg ist das Ziel
Zunächst einmal herzlichen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen zu meinen letzten Kolumnen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Offenbar treffen meine Gedanken den Nerv der Leser des Brunsbüttel Magazins. Das motiviert mich sehr.
In vielen Gesprächen tauchte allerdings immer wieder ein Satz auf: „Du hast recht, aber …“. Und genau dieses „Aber“ ist spannend. Denn ein „Aber“ schafft immer Raum für Ausreden und Auswege. Es sagt oft nichts anderes als: „Ich weiß das zwar, komme aber nicht in die Umsetzung.“ Viel hilfreicher wäre ein „Du hast recht. Ich gucke gerade, wie ich es hinbekomme.“ Doch warum fällt uns diese Herangehensweise so schwer?
Wir leben in einer Zeit, in der Ergebnisse möglichst sofort sichtbar sind. Drei Wochen Training und das Sixpack funkelt. Ein paar Tage Disziplin nach Neujahr und die Waage zeigt das Wunschgewicht. Ein neues Projekt und übermorgen ernte ich die ersten Lorbeeren. Wir haben uns daran gewöhnt, dass vieles schnell und ohne Umwege geht: ein Klick, eine Bestellung, eine Antwort, morgen da. Nur die wirklich wichtigen Dinge im Leben funktionieren eben anders. Erfolg, Glück, Gesundheit, Zufriedenheit oder Liebe entstehen nicht per Knopfdruck. Sie wachsen langsam. Eher wie ein Bonsai, das japanische Miniaturbäumchen in der Schale. Man pflegt ihn über Jahre: sorgfältig, geduldig und oft ohne sichtbare Fortschritte. Aber das Endresultat lohnt sich. Und genau darin liegt die Herausforderung: Die meisten hören zu früh auf, weil sie es nicht mehr gewohnt sind, auf das Ergebnis warten zu müssen.
Wenn ich einen Bonsai aus dem Feld oder aus dem Baumarkt beginne zu gestalten, sieht er am Anfang oft komisch und unansehnlich aus. Meine Frau sieht dann ein kleines, kahles Bäumchen, dem sie optisch nichts abgewinnen kann. In meinem Kopf sehe ich aber bereits das Endbild. Ich sehe den Baum in zwei, fünf oder zehn Jahren. Und genau dieses Bild hilft mir, geduldig zu bleiben. Mit einem klaren Ziel vor Augen fällt es leichter, Zwischenziele zu setzen und dranzubleiben. Ein Satz ist mir dabei immer im Kopf geblieben: Erfolg ist die Summe guter Gewohnheiten. Beim Bonsai ist es das Umtopfen, Wurzeln schneiden, Düngen, Formschnitt, Parasiten bekämpfen usw.. Diese Dinge lassen sich bequem auf unsere alltäglichen Dinge projizieren.
Es entscheidet nicht der eine große Wurf, sondern das, was du täglich tust. Oder eben nicht tust. Es sind die kleinen Schritte, die sich addieren: ein bisschen mehr Fokus, ein bisschen mehr Disziplin, ein bisschen weniger Ausreden. Das klingt unspektakulär – ist aber der entscheidende Unterschied. Der persönliche Sieg entsteht in den kleinen Momenten. In den Momenten, in denen niemand zuschaut. In denen es leicht wäre, es einfach sein zu lassen.
Und genau hier kommt Disziplin ins Spiel. Disziplin ist ein tägliches Werkzeug. Sie hilft uns, Dinge zu tun, auch wenn wir keine Lust haben. Denn seien wir ehrlich: Die wenigsten Dinge, die uns langfristig voranbringen, machen jeden Tag Spaß. Disziplin bedeutet, sich selbst und seine Wünsche ernst zu nehmen und sie konsequent zu verfolgen, auch dann, wenn der Alltag unbequem wird.
Routinen sind dabei der Schlüssel. Sie nehmen uns Entscheidungen ab. Wenn etwas zur Gewohnheit wird, kostet es weniger Energie. Und Energie ist begrenzt. Wer jeden Tag neu überlegen muss, ob er etwas tut, wird früher oder später aufgeben. Irgendwann sind die Energie- und Entscheidungsreserven leer. Wer eine Routine hat, macht es sich leichter. Doch selbst mit den besten Routinen kommt uns manchmal das Leben dazwischen. Unerwartet. Ungefragt. Und genau deshalb brauchst du einen „Notfallplan“:
• Was mache ich, wenn ich aus der Routine falle?
• Was passiert, wenn ich einen schlechten Tag habe?
• Wie gehe ich damit um, wenn ich scheitere?
Viele hören an diesen Punkten auf. Nicht, weil sie es nicht können, sondern weil sie keinen Plan für den Rückschlag haben. Ein Notfallplan hilft, vorbereitet zu sein:
• Morgen mache ich weiter.
• Ich reduziere die Intensität, bleibe aber dran.
• Ich erinnere mich daran, warum ich angefangen habe.
Es kann also sinnvoll sein, sich zu überlegen oder bestenfalls aufzuschreiben „Was mache ich, wenn…“. Quasi eine Vereinbarung mit sich selbst. Es kann aber auch sein, dass wir zunächst alte Stimmen in unserem Kopf durchbrechen müssen: „Du bist nicht gut genug!“, „Das ist doch nichts für dich!“, „Du bist zu unsportlich!“. Das sind Worte von Menschen, die wahrscheinlich selbst nie den Mut hatten, ihre Ziele zu verfolgen und Träume zu verwirklichen. Diese sogenannten Konditionierungen hindern uns daran, an uns und unsere Ziele zu glauben. Beseitige diese Stimmen in deinem Kopf und mach den Weg frei für den ersten kleinen Schritt.
Ich erinnere mich an eine Geschichte aus dem Film „The Secret“ von Rhonda Byrne, die mir selbst als Metapher immer wieder geholfen hat: Wenn du nachts mit dem Auto von A nach B fährst, siehst du immer nur die nächsten hundert Meter im Scheinwerferlicht. Und trotzdem erreichst du am Ende dein Ziel. Diese sichtbaren einhundert Meter sind die Gegenwart. Das Ziel liegt noch im Dunkeln. Du kannst nicht sehen, was in einigen Kilometern kommt. Aber du kannst beeinflussen, was direkt vor dir liegt. Und wenn du nicht anhältst oder umkehrst, kommst du schließlich an.
Noch einmal: Lösche das „Aber“ aus deinem Wortschatz und „alte“ Stimmen aus deinem Kopf. Ergänze sie durch zielorientierte, positive Formulierungen. Erfolg ist die Summe guter Gewohnheiten. Und davon wünsche ich dir jede Menge.