24h-Betreuung Juli| Erfahrungen aus dem Alltag
Zwischen Beruf, Familie und Pflege – wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen
Der Wecker klingelt früh. Vor der Arbeit noch schnell beim pflegebedürftigen Angehörigen vorbeifahren. Medikamente kontrollieren, etwas einkaufen, kurz nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Danach beginnt der eigene Arbeitstag. Zwischendurch mehrere Anrufe, weil zuhause etwas vergessen wurde oder Unsicherheit entstanden ist. Abends wieder vorbeifahren, Wäsche erledigen, Essen vorbereiten und Gespräche führen, obwohl die eigene Kraft längst nachlässt. Viele Angehörige kennen genau diesen Alltag.
Haben Sie sich selbst schon einmal dabei ertappt, ständig auf das Telefon zu schauen, weil jederzeit etwas passieren könnte? In Gesprächen mit Familien erleben wir immer wieder, wie stark die Belastung im Hintergrund oft bereits geworden ist, bevor überhaupt offen darüber gesprochen wird. Viele funktionieren über lange Zeit einfach weiter. Nicht, weil sie nicht merken, dass es zu viel wird. Sondern weil sie glauben, funktionieren zu müssen. Beruf, eigene Familie, Kinder und gleichzeitig die Verantwortung für einen älteren oder pflegebedürftigen Menschen miteinander zu vereinbaren, bringt viele Angehörige an ihre persönlichen Grenzen. Besonders schwierig wird es, wenn Demenz hinzukommt oder ein Mensch nicht mehr alleine sicher zuhause leben kann. Oft beginnt die Belastung schleichend. Erst einzelne Fahrten zum Arzt, dann regelmäßige Einkäufe, später tägliche Besuche und ständige Erreichbarkeit. Viele Angehörige erzählen uns, dass sie selbst kaum noch zur Ruhe kommen. Das Telefon bleibt nachts eingeschaltet. Während der Arbeit kreisen die Gedanken darum, ob zuhause alles gut geht. Eigene Bedürfnisse geraten immer weiter in den Hintergrund. Hinzu kommt häufig ein schlechtes Gewissen. Viele Menschen haben das Gefühl, mehr leisten zu müssen. Manche schämen sich sogar dafür, erschöpft zu sein. Dabei wird oft vergessen, dass dauerhafte Verantwortung auch emotional belastet – selbst dann, wenn man einen Menschen gerne unterstützt. Besonders schwierig ist die Situation häufig für Angehörige, die weiter entfernt wohnen oder den Alltag zusätzlich alleine organisieren müssen. Viele ältere Menschen sind verwitwet oder verbringen große Teile des Tages alleine. Dadurch wächst die Sorge bei Angehörigen oft zusätzlich.
Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass viele Familien erstaunlich lange versuchen, alles selbst aufzufangen. Häufig wird Unterstützung erst dann gesucht, wenn körperliche oder emotionale Erschöpfung bereits deutlich spürbar ist. Dabei bedeutet Hilfe anzunehmen nicht, Verantwortung abzugeben.
Im Gegenteil: Viele Angehörige berichten uns später, dass sie durch zusätzliche Unterstützung überhaupt erst wieder Kraft gefunden haben, emotional präsent zu sein. Statt nur noch zu organisieren und zu funktionieren, entsteht wieder Raum für gemeinsame Gespräche und ruhigere Momente im Alltag. Unsere 24-Stunden-Betreuung kann dabei weit mehr leisten als praktische Hilfe im Alltag. Für viele Familien verändert sich vor allem die emotionale Situation zuhause. Plötzlich ist jemand da. Jemand, der Sicherheit vermittelt, Gespräche führt und im Alltag unterstützt.
Auch Angehörige erleben dadurch häufig eine Veränderung. Nicht, weil Sorgen plötzlich verschwinden. Sondern weil Verantwortung wieder geteilt wird.
Was Angehörige uns häufig fragen
„Muss ich als Angehöriger weiterhin täglich vor Ort sein?“
Das hängt von der individuellen Situation ab. Viele Familien erleben jedoch spürbare Entlastung, weil Verantwortung im Alltag besser verteilt werden kann.
„Was passiert, wenn sich der Gesundheitszustand plötzlich verändert?“
Gerade deshalb wünschen sich viele Familien eine Betreuung zuhause. Veränderungen im Alltag werden oft schneller wahrgenommen und Angehörige sind nicht mehr alleine verantwortlich.
„Kann eine Betreuung auch entlasten, wenn Angehörige berufstätig sind?“
Ja. Viele Familien suchen Unterstützung genau deshalb, weil Beruf, Familie und Pflege langfristig kaum alleine zu bewältigen sind.
In der kommenden Ausgabe dieser Kolumne: „Wer wir sind – und warum wir Familien begleiten“